Bilfinger erwartet Erholung und bestätigt Prognose

Durch die gelockerten europäischen Marktbeschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie sowie einen leichten Anstieg der Nachfrage und die Anpassung der Kostenstrukturen im Unternehmen liefen die Geschäfte für Bilfinger im Juni bereits besser als im April und Mai. Aufgrund der effizienteren und agileren Organisation reduzierte der Konzern sowohl die Zahl der Leiharbeitnehmer als auch die Fixkostenbasis mit einer im Vergleich zum Vorjahr um rund 6.000 Mitarbeiter niedrigeren Beschäftigtenzahl. Dies betraf vor allem Nordamerika, Nordeuropa, Großbritannien, Belgien und die Niederlande. Darüber hinaus haben staatliche Subventionen, beispielsweise Lohnkostenzuschüsse, die Unterauslastung in den betroffenen Geschäftsbereichen teilweise kompensiert, die durch den starken Rückgang der Aktivitäten verursacht wurde. Ende Juni galten Kurzarbeitsregelungen für rund 10 % der Beschäftigten in Europa. Ein striktes Kostenmanagement mit temporär und nachhaltig wirkenden Maßnahmen ermöglichte die Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten auf einen Wert deutlich unterhalb des Budgets.

„Konsequent und effizient“

„Das war für Bilfinger ein intensives Quartal mit Bezug zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, fasst CEO Tom Blades zusammen. „Wir haben zwei große Altlasten aus früheren Jahren bewältigt, und sind weiterhin konsequent und effizient mit den aktuellen Herausforderungen durch Covid und den Ölpreis umgegangen. Gleichzeitig haben wir sichergestellt, dass die ergriffenen Maßnahmen zu einem schlankeren und agileren Unternehmen für die Zukunft führen.“

Baustelle des neuen Atomkraftwerks Hinkley Point C

Das Auftragsvolumen an Bilfinger für den Bau des britischen Kernkraftwerks Hinkley Point C umfasst insgesamt über 500 Mio. Euro. (Bild: Bilfinger)

Der Auftragseingang verringerte sich gegenüber dem hohen Vorjahresniveau (1.133 Mio. Euro) um organisch 15 % auf 931 Mio. Euro. Trotz des anspruchsvollen Marktumfelds verzeichnete Bilfinger eine zufriedenstellende Entwicklung im Breitengeschäft, der Beitrag aus Großprojekten ging jedoch zurück. Im ersten Halbjahr belief sich der organische Rückgang des Auftragseingangs auf lediglich 3 %. Dieser beinhaltete rund 80 Mio. Euro aus den Verträgen zum Neubau des Kernkraftwerks Hinkley Point C in Großbritannien, die insgesamt mehr als 500 Mio. Euro umfassen. In der zweiten Jahreshälfte wird es hieraus weitere Abrufe von bis zu 150 Mio. Euro geben, die restlichen 250 Mio. Euro werden 2021 folgen.

Wie erwartet ging der Umsatz zurück, er lag organisch um 29 % unter dem Vorjahreswert (1.147 Mio. Euro) und belief sich auf 793 Mio. Euro. Dabei waren insbesondere die Offshore-Aktivitäten in der Nordsee in Großbritannien (Aberdeen) und Norwegen (Stavanger) sowie das nordamerikanische Projektgeschäft stark rückläufig. Die daraus resultierende Unterauslastung führte zu einem Rückgang der Bruttomarge auf 4,3 % (Vorjahr: 8,5 %). Die bereinigte Vertriebs- und Verwaltungskostenquote (SG&A) erhöhte sich infolge des geringeren Umsatzes auf 9,2 % (Vorjahr: 7,9 %), die absoluten Vertriebs- und Verwaltungskosten verbesserten sich im Berichtszeitraum dagegen weiter auf 73 Mio. Euro (Vorjahr: 91 Mio. Euro). Hier wirken sich die positiven Effekte aus dem laufenden SG&A-Effizienzprogramm und einem strikten Kostenmanagement aus.

Da Kostensenkungen und staatliche Subventionen wie Lohnkostenzuschüsse den Rückgang des Bruttogewinns nicht vollständig kompensieren konnten, verringerte sich das bereinigte Ebita auf -35 Mio. Euro (Vorjahr: 17 Mio. Euro). Zusätzliche Restrukturierungsmaßnahmen im Segment Technologies führten zu einer leichten Zunahme der Sondereinflüsse auf -16 Mio. Euro (Vorjahr: -15 Mio. Euro). Diese beinhalten im Berichtszeitraum einen positiven Effekt von 17 Mio. Euro im Zusammenhang mit der Einigung mit ehemaligen Vorstandsmitgliedern, der entsprechende Liquiditätszufluss aus Versicherungszahlungen wurde im Juli verzeichnet. Mit der außergerichtlichen Einigung in einer langjährigen Auseinandersetzung über den Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 wurde im zweiten Quartal eine weitere Altlast bewältigt. Die von Bilfinger zu leistenden Zahlungen in Höhe von insgesamt 200 Mio. Euro werden vollständig von den Versicherern des Unternehmens übernommen. Der Vergleich wird daher, wie von Bilfinger erwartet, keine Auswirkungen auf die Ertrags- und Finanzlage des Konzerns haben. Das Konzernergebnis ging aufgrund des deutlich negativen Ebit stark auf -60 Mio. Euro (Vorjahr: -6 Mio. Euro) zurück.

 

Ausblick für 2020

Für das Jahr 2020 bestätigt Bilfinger die Mitte Mai veröffentlichte Prognose. Das Unternehmen erwartet einen Umsatzrückgang von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr (4,3 Mrd. €) sowie ein bereinigtes Ebita deutlich unter dem Vorjahresniveau (104 Mio. €), das aber noch positiv bleibt. Der Konzern geht davon aus, dass die größten Belastungen durch die COVID-19 Pandemie im zweiten Quartal aufgetreten sind, gefolgt von einer allmählichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Der erwarteten Umsatzentwicklung liegt auch die Annahme zugrunde, dass keine weiteren Projekte und Turnarounds in das Jahr 2021 verschoben werden. Das positive bereinigte Ebita basiert auf der Annahme, dass die staatlichen Lohnkostenzuschüsse mit fortschreitender Erholung des Geschäfts auf entsprechend niedrigerem Niveau weitergeführt werden. Der aktuelle Ausblick geht jedoch nicht von einer signifikanten Erholung des Ölpreises aus. Angesichts der globalen Dimension und der unverändert begrenzten Vorhersehbarkeit der COVID-19-Pandemie will das Unternehmen die Situation intensiv beobachten und alle Anstrengungen unternehmen, um weitere mögliche negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns abzuschwächen.

Detaillierte Geschäftszahlen zu den einzelnen Segmenten finden Sie in der Mitteilung des Konzerns. (ak)

Anlagenprojekte im Juli 2020

Bildergalerie

Clariant und Eta Bio haben eine Lizenzvereinbarung für die Sunliquid-Zellulose-Ethanol-Technologie unterzeichnet. (Bild: Clariant)
Mit einem eigenen Solarpark will Solvay sein Werk in Linne Herten mit Ökostrom versorgen. Bild: Solvay
Blick in die Produktionshalle des Lödige-Stammwerks in Paderborn: Hier wird bis 2021 einer der größten Einzelaufträge der Firmengeschichte realisiert. (Quelle: Lödige)
Lhyfe errichtet in Bouin eine Produktionsstätte für grünen Wasserstoff. (Bild: ABB)
Ionenaustauscher der Marke Lewatit zur Wasseraufbereitung werden am Standort Bitterfeld produziert. (Bild: Lanxess)
Siemens und Bentley Systems entwickeln für Chandra Asri in Indonesien den ersten digitalen Zwilling der petrochemischen Industrie. (Bild: Chandra Asri)
SATORP Jubail Export Refinery
Air Liquide schließt solides Quartal ab
Am Nouryon Standort Ningbo in China entsteht die neue Hydroperoxid-Anlage
Tesla baut im brandenburgischen Grünheide ein Werk für 500.000 Fahrzeuge pro Jahr. Eine Batteriefertigung gehört allerdings nicht mehr dazu. Bild: Tesla
Von links nach rechts: Tomasz Stępień (Polskie LNG CEO), Piotr Naimski (Staatssekretär im Kanzleramt des polnischen Premierministers, Bevollmächtigter der Regierung für strategische Energieinfrastruktur), Piotr Kledzik (PORR S.A. CEO), Thomas Wehrheim (TGE Gas Engineering GmbH CEO), Marek Gróbarczyk (Minister für maritime Wirtschaft und Binnenschifffahr), Krzysztof Urbaś (Präsident des Verwaltungsrates der Seehäfen Stettin und Świnoujście)
01.07.2020 Ministerpräsident Bouffier läutet den Kohleausstieg im Industriepark Höchst ein Infraserv Höchst leistet einen Beitrag zum Klimaschutz: 300-Millionen-Euro-Investition in hocheffiziente Gasturbinenanlage Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat am Mittwoch, 1. Juli, im Industriepark Höchst die symbolische Grundsteinlegung für den Bau einer neuen Gasturbinenanlage vorgenommen. Gemeinsam mit Jürgen Vormann und Dr. Joachim Kreysing, den Geschäftsführern von Infraserv Höchst, befüllte der Ministerpräsident mit Bauplänen, Tageszeitungen und einigen Münzen eine Metallkapsel, die in den Betonsockel eingebracht wurde. Auch ein in Plexiglas gefasstes Stück Kohle wurde dem Grundstein beigefügt – ein Symbol für den Kohleausstieg, der im Industriepark Höchst mit der Inbetriebnahme der Gasturbinenanlage im Jahr 2022 Realität wird. Getrübt wird die Feierstimmung bei Infraserv Höchst allerdings durch die aktuell anstehende Entscheidung des Bundestags, der voraussichtlich am Freitag im Rahmen der Beschlussfassung über das Kohleausstiegsgesetz die Förderrichtlinien für Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen wie die neuen Gasturbinen ändern wird – und zwar rückwirkend auch für Projekte, deren Realisierung – wie im Industriepark Höchst - bereits begonnen hat. „Schöpfung bewahren, für künftige Generationen Verantwortung tragen“ „Unser Land hat sich mit der Energiewende ambitionierte Ziele gesetzt. Das tun wir nicht aus einer Laune heraus, sondern weil wir die Schöpfung bewahren wollen und für künftige Generationen Verantwortung tragen“, sagte Ministerpräsident Bouffier im Rahmen der Feierstunde. „Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir auch auf unsere Unternehmerinnen und Unternehmer setzen, die mit innovativen Ideen dazu beitragen, dass dieses Projekt gelingt und darüber hinaus ihren Teil dazu beitragen, dass wir CO2-Emissionen einsparen können. Infraserv Höchst ist sich dieser Verantwortung bewusst. Die neue Gasturbinenanlage wird dafür sorgen, dass Emissionen von rund einer Million Tonnen pro Jahr vermieden werden. Das ist beachtlich und ich freue mich sehr, dass wir am heutigen Tag den Grundstein dafür legen konnten.
Feierlicher Spatenstich zur Erweiterung und Modernisierung des Kraftwerkes GuD2 der InfraLeuna: (v.l.n.r.) Dr. Christof Günther, Geschäftsführer InfraLeuna GmbH, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und Stéphane Stoll, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kraftanlagen München GmbH.

Wie erwartet hat Bilfinger im zweiten Quartal 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie sowie der „erheblichen Ölpreisvolatilität seit März 2020“ deutlichen Umsatzrückgang und Verluste verzeichnet. Der Industriedienstleister sieht insgesamt jedoch eine positive Entwicklung in der ersten Jahreshälfte und bestätigt seine Prognose für das Gesamtjahr.Read More

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