Maschinenexporte sinken weniger deutlich als in der Finanzkrise

Als besonders schwache Monate für die Maschinenexporte erwiesen sich April und Mai – bedingt durch die weitreichenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Hier verfehlten die Exporte nach den Zahlen des VDMA ihren Vorjahreswert jeweils um circa 28 %. Im Juni sanken sie im Zuge der Rücknahme von Reise- und Transportbeschränkungen weniger drastisch, gleichwohl noch um 12 %im Vorjahresvergleich.

Erstes Halbjahr besser als 2009

docked container ship

Die Nachfrage nach deutschen Maschinen ging im ersten Halbjahr in vielen Ländern deutlich zurück – das zeigen die aktuellen Exportzahlen des VDMA. (Bild: Anyka – Fotolia)

„Die Unternehmen konnten im Exportgeschäft zuletzt ein klein wenig aufatmen. Es wird aber trotzdem ein holpriger Weg zurück zur Normalität. Denn für eine Normalisierung des Exportgeschäfts müssen viele Abnehmerländer des Maschinenbaus die Folgen der Pandemie erst noch besser in den Griff bekommen und wieder mehr Zuversicht für neue Investitionen entwickeln“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Immerhin: Ein Vergleich der Exportzahlen aus der Corona-Krise mit den Zahlen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zeigt, dass der Rückgang zumindest im ersten Halbjahr nicht drastischer ausfällt. „In den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 verzeichneten die Maschinenausfuhren aus Deutschland einen Rückgang von knapp 23 %“, erläutert Wiechers.

Russische Prozessindustrie sorgt für Exportplus

Im zweiten Quartal dieses Jahres lagen die Maschinenexporte aus Deutschland in die EU-27 um 27,7 % unter ihrem Vorjahresniveau. Das Exportgeschäft mit den vom Corona-Virus stark gebeutelten Ländern wie Frankreich (minus 28,2 %), Italien (minus 31 %), Spanien (minus 32,1 %) und dem Vereinigten Königreich (minus 36,4 %) war in diesem Zeitraum erwartungsgemäß besonders schlecht. Kumuliert betrachtet ergibt sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein Exportminus von 17,3 % in die EU-27 Partnerländer. In das sonstige Europa wurden im gleichen Zeitraum 11,3 % weniger Maschinen geliefert. Dabei sticht vor allem Russland heraus, das im ersten Halbjahr als einziges Top-Abnehmerland ein Exportplus in Höhe von 4,5 % verzeichnete. „Das Plus ist größtenteils auf Großaufträge für die russische Prozessindustrie zurückzuführen, die im Juni realisiert wurden“, erläutert Wiechers. „Dieser jüngste Wachstumstrend bei den Maschinenexporten aus Deutschland nach Russland wird aller Voraussicht nach nicht anhalten.” Dennoch ist Russland nun wieder auf Platz neun der wichtigsten Abnehmerländern für Maschinenexporteure aus Deutschland vorgerückt und hat die Schweiz auf Platz zehn verdrängt.

China könnte erneut wichtigster Einzelmarkt werden

Die Exportentwicklungen in die beiden wichtigsten Einzelmärkten USA und China unterscheiden sich deutlich. Die Maschinenexporteure aus Deutschland lieferten im zweiten Quartal 23 % weniger in die Vereinigten Staaten als noch vor einem Jahr. Das China-Geschäft nahm hingegen zwischen April und Juni nur um 7,9 % ab. China ist damit auf dem Weg, die USA in der Rangfolge der wichtigsten Einzelmärkte wieder einzuholen. „In der Volksrepublik beobachten wir eine äußerst robuste wirtschaftliche Erholung vor allem in der Industrie. Davon profitieren wiederum einige Maschinenbauzweige, die ein signifikantes Wachstum beim Export in die Volksrepublik verzeichnen. Darunter fallen Maschinen- und Komponentenhersteller für das Bau- und Infrastrukturgewerbe sowie den Elektroniksektor“, analysiert VDMA-Chefvolkswirt Wiechers. (jg)

Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau – Zahlen und Fakten

Bildergalerie

Die Zahl der im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigten Ingenieurinnen und Ingenieure ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, auf aktuell 199.800, beobachtet der VDMA in seiner aktuellen Ingenieurerhebung. Bild: adobestock
Im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung im Jahr 2016 beträgt der Zuwachs 9.200 Ingenieurstellen. Bild: goodluz - adobestock
Auch der Ingenieuranteil, gemessen an der Zahl der Beschäftigten, hat erneut zugenommen und beträgt jetzt 17,1 %. Dies ist der höchste absolute und anteilige Wert seit Beginn der Erhebung. Bild: industrieblick - adobestock
Jeder zweite Ingenieur ist im Bereich der Forschung, Entwicklung und Konstruktion beschäftigt. Bild: countrypixel - adobestock
„Wir sind die Nummer eins als wichtigster Ingenieurarbeitgeber und damit die ‚Innovationsmaschine‘ in Deutschland“, kommentiert VDMA-Präsident Carl Martin Welcker die Ergebnisse der aktuellen Ingenieurserhebung des Maschinenbauverbands. Bild: VDMA
Die Ingenieurerhebung zeigt, dass 54 % der befragten Unternehmen bis 2024 von einer weiteren Zunahme an Ingenieurinnen und Ingenieuren in ihrem Unternehmen ausgehen. Dieser Bedarf ist nicht nur auf den altersbedingten Ersatz von Stellen (45 %), sondern auch auf Neueinstellungen (40 %) zurückzuführen. Bild: vchalup - adobestock
Im Durchschnitt über alle Tätigkeitsbereiche erwarten 64 % der Unternehmen einen künftigen Mangel an qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern, 2016 waren es erst 51 %. Die VDMA-Erhebung zeigt zudem, dass die Unternehmen schon heute Schwierigkeiten haben, offene Stellen adäquat und zeitnah zu besetzen. Bild: Nomad_Soul-adobestock
Die Zahl der Unternehmen, die geeignete Fachkräfte zum Thema Industrie 4.0 suchen, hat sich seit 2016 auf 30 % verdoppelt. Bild: ra2-studio-adobestock
Digitalisierung (Bild: Adobe Stock – Peshkova)
 „Wir brauchen Master und Meister – und vor allem junge Menschen, die sich für unsere faszinierende Welt der Technik im Maschinenbau begeistern“, sagt VDMA-Präsident Welcker. Bild: pichitstocker-adobestock

Die Corona-Pandemie hinterlässt deutliche Spuren im Export. Im zweiten Quartal sanken die Maschinenausfuhren aus Deutschland um 22,9 % zum Vorjahr, im ersten Halbjahr wurde ein Exportminus von 14,1 % verbucht – immerhin ein besseres Ergebnis als in der Finanzkrise 2009.Read More

Print Friendly, PDF & Email
Veröffentlicht in Uncategorized.